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07.08.2020
28.09.06

Zur Auseinandersetzung betreff Donum Vitae

Kategorie:
Na Donum Viae

von frithjof ringler

Anmerkungen zu den Leserbriefen bezüglich Donum Vitae im Kath. Sonntagsblatt der Diözese Würzburg am 3.9. und 24.9.06

Eigentlich müsste alles klar sein: Es geht allen Beteiligten um den Schutz des ungeborenen Lebens. Doch die Schreiber vom 24.9. haben wohl vergessen: Die gesetzliche Lage in der BRD konnte diesen Schutz nicht mehr gewährleisten. So kam es nach vielen Konflikten unter maßgeblicher Mitwirkung der großen Kirchen zu der jetzigen gesetzlichen Regelung, die eine eingehende Beratung vor einem evtl. Schwangerschaftsabbruch verpflichtend vorschreibt. Diese deutsche Lösung soll eindeutig dem Schutz des Ungeborenen dienen (s. BVG), auch wenn die Beratung ergebnisoffen bleiben muss. Im internationalen Vergleich war diese gesetzliche Regelung die beste, die in einer pluralen Gesellschaft zu erreichen war. Die Frage ist nur, wie und von wem dieser Beratungsspielraum genutzt wird. So haben die deutschen Bischöfe von Anfang an von der Kirche getragene Beratungsstellen ermöglicht und damit vielen Frauen in dieser höchst schwierigen Lebenssituation zu einer verantwortlichen Entscheidung verholfen. Nachweislich wären viele Kinder ohne diese Beratung heute nicht am Leben.

Das kirchliche Zeugnis gegen die Abtreibung dürfe nicht verdunkelt werden, so hieß es Jahre später plötzlich aus Rom. Und die deutschen Bischöfe, deren Zeugnis bisher keineswegs verdunkelt schien, verdunkelten weisungsgemäß ab sofort ihr Zeugnis von der Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit Gottes, stiegen aus dem Beratungssystem aus und ließen Frauen und ungeborene Kinder allein. Am Vorbild Jesu dürften sie sich hier wohl kaum orientiert haben. (Ließ Jesus jemals Menschen in ihrer Not allein, damit das "Gesetz" nicht verdunkelt werde?) Christen, die aus christlicher Verantwortung einsprangen, wo die Institution sich versagte, verkünden in ihrem schwierigen Engagement genau dieses Zeugnis weiter und werden von den Oberhirten nun noch zusätzlich geprügelt.

Solange man, wie die Briefeschreiber vom 24.9. die menschlichen Probleme "von oben", d.h. von absoluten Prinzipien her betrachtet, wird man zwar irgendwie recht haben, aber den Menschen in der Vielfalt des menschlichen Lebens und ihren Problemsituationen fern sein. Prinzipien können sogar, wie in unserem Fall, möglicherweise tödlich sein! Wenn man hingegen, durchaus im Blick auf die Gebote Gottes, "unten" mit den Menschen geht, wird man herausbekommen müssen, was es in der konkreten Situation heißt, Jesus nachzufolgen. Und das ist nicht so einfach, dass man mit Katechismusparagraphen die Lösung finden kann und schon gar nicht, dass man das eigene Gewissen und Nachdenken auf Urlaub schickt und durch buchstabentreue Gebotserfüllung ersetzt. (Taten das nicht die Pharisäer, die Jesus wegen seiner "ungesetzlichen" Hilfe (s. Mk3,1-6; Lk13,10-17 u.a.) angriffen, und die vielen in der Geschichte, die sich mit "Befehl ist Befehl" aus der eigenen Verantwortung stahlen?) Jesusnachfolge ist immer ein schwieriges Unterfangen und man wird, ebenso wie der Meister, in den Augen der Selbstgerechten scheinbar auch "schmutzige Hände" dabei bekommen. Doch anders kann man den Menschen in Not nicht nahe sein und das Gebot Christi in dieser Problemsituation erfüllen, wie es ursprünglich die Bischöfe und nun die Mitarbeiter von Donum Vitae versuchen.