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15.08.2022
15.10.13

Notwendiges Gespräch - kein Ersatz für dringende Reformen

Kategorie:
Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Nachrichten, Nachrichten

von wsk

Halbzeitbilanz des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz

Die gute Atmosphäre beim dritten bundesweiten Jahrestreffen des von den deutschen Bischöfen 2010 initiierten Gesprächsprozesses (manche sprechen sogar von einem »Familientreffen«) kann und darf nach Ansicht der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Versammlung inhaltlich wieder auf der Stelle getreten ist und immer noch keine Konsequenzen erkennbar sind. So notwendig der Gesprächsprozess ist, darf er aber kein Ersatz für dringende Reformen sein!

Bei den immer wieder und sehr konkret angesprochenen Themen wie der Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen der Kirche und der Zulassung nach Scheidung Wiederverheirateter als auch konfessionsverbindender Ehepaare zur Eucharistie - um nur die wichtigsten anzusprechen - ist noch keine wirkliche Bewegung seitens der Bischöfe zu erkennen. Die von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch präsentierte Halbzeitbilanz verweist lediglich auf weitere Ausschüsse, Gremien, Arbeitsthesen usw. Doch die bischöfliche »Arbeitsgruppe zur pastoralen Situation von wiederverheirateten Geschiedenen« konnte noch keinerlei Ergebnisse vorweisen. Wenn Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck richtigerweise sagt, dass die Kommunionbank keine Richtbank sein darf, dann müssen die Bischöfe, und das sehr bald, konkrete Reformschritte gehen, wenn der Gesprächsprozess nicht zur Farce werden soll.

Seit einiger Zeit in der Diskussion befindliche Verbesserungen im kirchlichen Arbeitsrecht, dass eine Wiederheirat nicht automatisch die Kündigung zur Folge hat, sind nicht dem Gesprächsprozess oder bischöflichen Initiativen zu verdanken, sondern den Anforderungen des Rechtsstaates geschuldet, der auch den allergrößten Teil kirchlicher Sozialeinrichtungen finanziert.

Mitgliedern der Pius-Bruderschaft, die nicht auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils steht, ist die Teilnahme am Stuttgarter Jahrestreffen ermöglicht worden, während die Reformgruppe Wir sind Kirche trotz großen Bemühens nicht an den Jahrestreffen teilnehmen darf. Der Offene Brief der KirchenVolksBewegung zur Liturgie ist jedoch bei sehr vielen Delegierten auf große Zustimmung gestoßen. Darin wird aus Sorge um die Gemeinden vor einer klerikalen Engführung gewarnt und werden auch priesterlose Eucharistiefeiern gefordert. Vor allem wird aber vor einem Gottesdienst gewarnt, der zu wenig mit der Lebenswelt der Menschen zu tun hat; denn, so heißt es im Offenen Brief, »Gottesdienstdienst ist Menschendienst - Menschendienst ist Gottesdienst«.

Gerade jetzt unter Papst Franziskus, der schon im ersten Halbjahr so viele neue Impulse und Ermutigungen für Reformen gegeben hat, erscheint es als offensichtliche Ausrede, wenn die Bischöfe immer nur auf die Ebene der Weltkirche verweisen. Papst Franziskus ist ein großer Wegbereiter einer angstfreien Kommunikation in der Kirche, so der Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, in seinem Resümee. Das aber hat bei den deutschen Bischöfen leider immer noch viel zu wenig Widerhall gefunden.